Der Erstmusterprüfbericht (EMPB) nach VDA 2: Was Automotive-Zulieferer für Stanzteile wissen müssen

Vom ersten Muster bis zur Serienfreigabe – der EMPB als Grundlage sicherer Lieferketten

Präzision. Qualität. Made in Germany. | DIN EN ISO 9001:2015 | Thüringen

Auf einen Blick (Key Takeaways):

  • EMPB = Qualitätsbeweis vor SOP: Der Erstmusterprüfbericht dokumentiert, dass ein Stanzteile-Lieferant die Kundenzeichnung vollständig verstanden hat und serientauglich fertigen kann.
  • VDA 2 regelt das PPF-Verfahren: Die Norm Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) legt fest, welche Nachweise der EMPB enthalten muss – von Maßprotokollen bis zu Prozessfähigkeitsnachweisen.
  • Pflicht, nicht Kür: Der EMPB ist vor dem Start of Production (SOP) abzuschließen. Ein fehlender oder unvollständiger EMPB blockiert die Serienlieferung.
  • 5 Kernbestandteile: Bemusterungsumfang, Maßprotokolle, Werkstoffnachweise, Prozessfähigkeit (Cpk) und Erstmuster-Bauteile bilden die unverhandelbare Basis.
  • MGE beherrscht den Prozess vollständig: Vom eigenen Werkzeugbau über die Stanzfertigung bis zur EMPB-Erstellung liefert MGE alles aus einer Hand – ohne Schnittstellenrisiken.

Was ist ein EMPB und warum ist er in der Automobilindustrie unverzichtbar?

Der Erstmusterprüfbericht – kurz EMPB – ist das zentrale Nachweisdokument im Rahmen des Produktionsprozess- und Produktfreigabeverfahrens (PPF) nach VDA 2. Er belegt, dass ein Lieferant in der Lage ist, ein Bauteil serienbegleitend, vollständig zeichnungskonform und mit stabilen Prozessen zu fertigen. Im Kontext von Stanzteilen für die Automobilindustrie ist der EMPB keine optionale Dokumentation, sondern eine vertragliche Pflichtleistung gegenüber dem OEM oder Tier-1-Kunden.

Der EMPB entsteht auf Basis von Erstmusterteilen – Bauteilen, die unter Serienbedingungen oder seriennahen Bedingungen gefertigt wurden. Entscheidend ist: Die Teile müssen aus dem echten Serienwerkzeug stammen, mit dem echten Serienmaterial, auf der echten Serienanlage. Muster aus anderen Fertigungsmethoden (z. B. aus einem Prototypenwerkzeug) sind ausdrücklich nicht EMPB-fähig. Diese Anforderung unterstreicht, warum Lieferanten mit eigenem Inhouse-Werkzeugbau wie MGE hier strukturell im Vorteil sind: Werkzeug und Serienfertigung liegen unter einem Dach.

Der PPF-Prozess nach VDA 2: Schritt für Schritt zum EMPB

VDA 2 beschreibt den PPF-Prozess als ein strukturiertes Verfahren, das in enger Abstimmung zwischen Lieferant und Kunde durchlaufen wird. Die 6. Auflage des VDA Band 2 (2020) hat die starren Vorlagestufen der Vorgängerversion abgelöst und durch eine projektspezifische, individuelle Abstimmung ersetzt. Das bedeutet: Welche Elemente der EMPB konkret nachweisen muss, vereinbaren Lieferant und Kunde vorab im sogenannten PPF-Beauftragungsformular.

  1. PPF-Beauftragung durch den Kunden: Der Kunde definiert Umfang, Vorlagestufe und Terminrahmen. MGE prüft Machbarkeit und Besonderheiten frühzeitig.
  2. Vorabmuster / Prototypen (optional): Bei komplexen Geometrien empfiehlt sich eine werkzeuglose Vorabmusterung, um kritische Maße frühzeitig zu validieren.
  3. Serienwerkzeugbau und Erstmusterfertigung: Im Serienwerkzeug, mit Serienmaterial, auf der Serienanlage – MGE fertigt die Erstmuster unter dokumentierten Bedingungen.
  4. Vollständige Bemessung und Prüfung: Alle zeichnungsrelevanten Merkmale werden messtechnisch erfasst. Besondere Merkmale (D/S-Merkmale) erhalten erhöhte Aufmerksamkeit.
  5. Zusammenstellung des EMPB: Alle Nachweise werden gebündelt und dem Kunden in der vereinbarten Form vorgelegt.
  6. Kundenfreigabe vor SOP: Erst mit der schriftlichen Freigabe des EMPB durch den Kunden ist die Grundlage für den Serienanlauf (SOP) geschaffen.

Die 5 unverhandelbaren Bestandteile eines vollständigen EMPB

Unabhängig von der individuellen Vereinbarung im PPF-Beauftragungsformular enthält ein EMPB für Stanzteile immer die folgenden Kernelemente:

  • Bemusterungsumfang und Zeichnungsstand: Klare Referenz auf die gültige Zeichnungsversion, Änderungsstand und Stückzahl der bemusterten Teile.
  • Vollständige Maßprotokolle: Messung aller bemaßten Merkmale der Zeichnung, üblicherweise an mindestens 5 Bauteilen (bei besonderen Merkmalen häufig mehr).
  • Werkstoff- und Materialnachweise: Werkstoffzertifikat des Coils, Nachweis der IMDS-Eintragung (International Material Data System) und ggf. RoHS-Konformität.
  • Prozessfähigkeitsnachweise (Cpk/Ppk): Statistische Absicherung der kritischen Fertigungsmerkmale, in der Regel mit einem Cpk-Mindestindex von 1,67 für besondere Merkmale.
  • Erstmusterbauteile: Physische Musterteile in der vereinbarten Stückzahl, ordnungsgemäß beschriftet und verpackt.
MGE-Praxis: Unsere QM-Abteilung begleitet den EMPB-Prozess von der PPF-Beauftragung bis zur Kundenfreigabe. Maßprotokolle werden mit modernen 3D-Koordinatenmessgeräten erstellt – für Stanzteile mit engen Toleranzen der Standard, der Fehler ausschließt.

Besondere Merkmale (D/S-Merkmale) im EMPB: erhöhte Sorgfaltspflicht

Sicherheits- und Designmerkmale – im Automotive-Jargon als D- bzw. S-Merkmale bezeichnet – unterliegen im EMPB einer verschärften Dokumentationspflicht. Bei Stanzteilen, die in sicherheitsrelevante Baugruppen (z. B. ABS-Sensoren, Airbag-Aktoren, Sitzverstellungen) eingehen, ist die Anzahl der zu messenden Bauteile in der Regel höher, und die geforderten Prozessfähigkeitsindizes sind strenger. Der EMPB muss für diese Merkmale eine lückenlose Kausalkette belegen: von der Zeichnungsanforderung über den Fertigungsprozess bis zum Messergebnis.

Für QM-Verantwortliche bei Automotive-Zulieferern bedeutet das: Bereits in der Anlaufplanung müssen alle D/S-Merkmale identifiziert, im Kontrollplan hinterlegt und im Prüfplan berücksichtigt sein. Ein EMPB, der besondere Merkmale ohne vollständigen Cpk-Nachweis vorlegt, wird vom OEM abgelehnt – und damit verzögert sich der SOP.

EMPB-Bestandteil Standardmerkmal Besonderes Merkmal (D/S)
Anzahl Messteile Mind. 5 Teile Mind. 25–50 Teile (kundenabhängig)
Prozessfähigkeit Cpk ≥ 1,33 ≥ 1,67
Messmitteleignungsnachweis Empfohlen Pflicht (MSA / Gage R&R)
Kontrollplan-Referenz Standard Besondere Merkmale separat markiert
Freigabe durch Kunden Schriftlich vor SOP Schriftlich + ggf. Vor-Ort-Audit

Häufige Fehler im EMPB – und wie MGE sie vermeidet

In der Praxis scheitern EMPB-Vorlagen regelmäßig an denselben Schwachstellen. Die häufigsten Ablehnungsgründe durch OEMs:

  • Maßprotokolle an Prototypen- statt Serienwerkzeugteilen erstellt
  • Fehlende oder unvollständige IMDS-Eintragung
  • Cpk-Werte unter 1,33 bei Standardmerkmalen ohne Begründung und Maßnahmenplan
  • Zeichnungsstand im EMPB stimmt nicht mit dem aktuell gültigen Stand überein
  • Messmitteleignung für besondere Merkmale nicht nachgewiesen
Achtung: Ein abgelehnter EMPB kurz vor SOP kann den Serienanlauf um Wochen verzögern. Verspätete Lieferungen in der Automobilindustrie sind mit Bandstillstandskosten verbunden, die schnell fünfstellige Beträge pro Stunde erreichen.
MGE-Vorteil: Durch unseren integrierten Prozess – Werkzeugbau, Stanzfertigung und QM unter einem Dach – schließen wir Medienbrüche und Kommunikationslücken zwischen den Gewerken strukturell aus.

MGE als EMPB-erfahrener Partner für Stanzteile in Thüringen

Die MGE Metallgeräte Elgersburg GmbH verfügt über langjährige Erfahrung in der Erstellung vollständiger EMPB nach VDA 2 für Automotive-Kunden. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus eigenem Werkzeugbau, hochpräziser Stanzfertigung und einem nach ISO 9001:2015 zertifizierten Qualitätsmanagementsystem – alles am Standort Geratal (OT Geraberg) in Thüringen. Diese Fertigungstiefe bedeutet für unsere Kunden: Ein Ansprechpartner, eine Verantwortung, ein EMPB ohne Schnittstellenrisiken.

Ob erstmalige Bemusterung eines neuen Stanzteils, Wiederbemusterung nach einer Zeichnungsänderung oder Requalifikation nach einem Lieferantenwechsel – unser QM-Team kennt die Anforderungen führender OEMs und Tier-1-Lieferanten und stellt sicher, dass Ihr EMPB beim ersten Einreichen akzeptiert wird.

EMPB für Ihr Stanzteil steht an?

Sprechen Sie mit uns – wir begleiten Sie vom PPF-Beauftragungsformular bis zur Kundenfreigabe. Kein Schnittstellen-Chaos, kein SOP-Verzug.

Kontakt: mge@mge-gmbh.de | ☎ +49 (0) 3677 7946-0 | www.mge-gmbh.de

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen EMPB und PPF nach VDA 2?
PPF (Produktionsprozess- und Produktfreigabe) ist das Verfahren nach VDA 2, der EMPB (Erstmusterprüfbericht) ist das zentrale Dokument innerhalb dieses Verfahrens. Der EMPB fasst alle Prüfnachweise, Messprotokolle und Zertifikate zusammen und bildet die Grundlage für die Kundenfreigabe vor SOP.
Wann muss ein EMPB erstellt werden?
Ein EMPB ist grundsätzlich vor dem Start of Production (SOP) abzuschließen. Darüber hinaus ist eine Wiederbemusterung (Requalifikation) erforderlich bei wesentlichen Zeichnungsänderungen, Werkzeugänderungen, Materialwechsel, Lieferantenwechsel oder längeren Fertigungsunterbrechungen – je nach Kundenanforderung.
Wie viele Teile werden für einen EMPB benötigt?
Die Mindestmenge richtet sich nach der PPF-Beauftragung. Als Richtwert gelten mindestens 5 vollständig bemessene Teile für Standardmerkmale. Bei besonderen Merkmalen (D/S-Merkmale) sind in der Regel 25 bis 50 Teile für den Prozessfähigkeitsnachweis (Cpk) erforderlich.
Kann MGE den EMPB auch für bestehende Teile nach einer Zeichnungsänderung erstellen?
Ja. MGE erstellt EMPB sowohl für Neuteile als auch für Wiederbemusterungen nach Zeichnungsänderungen oder Werkzeugmodifikationen. Unser QM-Team bewertet gemeinsam mit dem Kunden, welcher Umfang der Neubemusterung erforderlich ist.
Welche Unterlagen benötigt MGE für die Erstellung des EMPB?
Für eine vollständige EMPB-Erstellung benötigen wir die freigegebene Zeichnung mit aktuellem Änderungsstand, das ausgefüllte PPF-Beauftragungsformular des Kunden, den Kontrollplan (sofern kundenseitig vorgegeben) sowie das Material-Datenblatt für den Nachweis der IMDS-Eintragung.

Über MGE Metallgeräte Elgersburg GmbH: MGE ist ein traditionsreicher Systemlieferant für hochpräzise Stanz-, Biege- und Ziehteile, Feindraht- und Spulenwickelei, Automatendreherei sowie Kunststoffspritzerei. Mit außergewöhnlicher Fertigungstiefe, eigenem Werkzeugbau und ISO 9001:2015 Zertifizierung ist MGE ein verlässlicher Partner für anspruchsvolle Industriezweige wie die Automobilindustrie – tief verwurzelt in Thüringen, weltweit geschätzt.